Streetwear

Im Allgemeinen hat es für Schwarze eine große Bedeutung sich an Sonntagen und an Feiertagen besonders schick zu machen. Denn wenn man arm ist geben einem diese Dinge Halt. Lass uns was Schönes anziehen, in die Kirche gehen und allen zeigen, dass wir klasse haben. Lass uns das Leben genießen. Aber mit der Rap Musik ist eine ganz andere Ästhetik entstanden. Der Stil kam damals von der Straße. Alles was sich die Leute leisten konnten versehen mit einer persönlicher Note das machte Mode aus.

Von Mitte bis Ende der 70er trugen die Leute Jeans und Schlaghosen. Es war sehr wichtig, dass deine Jeans gebügelt war und gut saß. Was die coolen Kids und die Kids mit Einfluss anzogen, das wollten alle anderen auch anziehen. Es zeigte wer du eigentlich bist. Wenn du etwas Neues an hattest, warst du natürlich in deinem Viertel total angesehen. In meiner Nachbarschaft waren alle arm und hatten nicht viel anzuziehen so wurde eher schlichte Kleidung zum Stil. Wir haben uns für die kleineren Dinge im Leben interessiert: Wie Frisuren. Eine Frisur konnte sich jeder leisten. Oder wir haben uns Klamotten von Freunden geliehen. Jeder trug von jedem die Klamotten.

Der Wettbewerb war wessen Mutter die besten Klamotten machte, so wurden Mütter die Designer für die armen Kids In Brooklyn. Die meisten Nachbarn waren Schwarze oder Südamerikaner. Einige von ihnen formierten sich in Gangs und übernahmen den Stil der Hells Angels. Die berühmtesten Gangs kamen aus der Bronx. Die Black Spades, die Severeges Sculls und die 70‘s Mortals. Das Hauptkleidungsstück der Gangs waren Jeans. Sie trugen zerrissene Jeans-Jacken mit irgendeinem Symbol auf dem Rücken, Schlaghosen und Motorradstiefel. Sie hatten aber keine Motorräder, sie gingen zu Fuß durch die Straße. Alles was die Gangs wollten war leider nur der Kampf um ihr Territorium. Aber das war nicht so cool, ich meine der große, der wirkliche Schritt kam mit Africa Bombaataa, den ich als Pate des Hip-Hops sehe. Er war der Anführer der Black Spades einer sehr einflussreichen Gangs in der Bronx. Die Spades waren eine starke Bruder-und Schwesternschaft. Sie waren für einander da und verbrachten viel Zeit zusammen. Die neue Ausrichtung  kam mit dem Vater des HipHops Cool DJ Herc, dem Paten und natürlich Grand Master Flash.

Daraus ergab sich eine neue Bewegung, die in der Bronx anfing und die hieß Hip-Hop. Hip-Hop ist ein kultureller Zusammenschluss aus Rappern, DJs, Breakdeancern und Graffiti Künstlern.

1975-1976 haben die ersten Breakdance getanzt. Das ging in der Bronx los aber Leute in Spanish Harlem haben das sehr schnell aufgegriffen. Die Hauptmotivation war der Wettbewerb. Wer machte die besten Schritte? Wer hatte den besten Ausdruck? Denn wenn man im Ghetto wohnt, gibt es nicht gerade viele verschiedene Jugendclubs, also musste man es auf eine andere Art auslassen und welchen weg man auch immer gewählt hatte es brauchte eine Menge Energie um durchzuhalten. Das Wichtigste nach wie vor ist, selbst heute noch, beim Hip Hop ist es, dass der Name bekannt gemacht wird. Da gab es dann Namebells, einen Ledergürtel mit einer dicken Schnalle drauf wo dann der Name drauf stand. Die Tänzer begannen ihre eigenen Namen und die ihrer Gruppen auf T-Shirts zu tragen. Damit knüpften sie an die Mode der Gangs an. Aber sie gingen noch einen Schritt weiter: Wer hatte den besten und originellsten Stil? Die Sprayer begannen ihre Bilder auf ihre Jacken zu sprühen. Nicht stoned-washed sondern harte originale Jeans Jacken.

Die Frage war: Wer hatte das schönste Bild? Und das artete wieder in einem Wettkampf aus. In den 70gern haben sie sogar Graffitis auf ihre Hosen gesprüht.

Das Wichtigste für die Breaker war eigentlich das Material, dass es sehr robust war und besonders die Klamotten, die oben getragen wurden gut rutschig waren wegen den ganzen Drehungen auch heute tragen wir noch Mognecks, das sind 100% Polyester Pullis, BVD´s aus Synthetik Stoff. Das schönste ist wenn man mehrere Sachen an hat die dann auch wieder zusammen passen, die miteinander matchen, da es ja um die Materialien ging, wurde wenigstens versucht, dass die farbliche Zusammenstellung korrekt ist, dass alles miteinander kombiniert werden konnte. Das nächste, um mal zu dieser übertriebenen Mode zu kommen, waren dann Skibrillen die getragen wurden irgendwie weil es gut aussah aber zugleich steckte da auch ein idealistische Grund hinter, nämlich irgendwie zusagen ich trage so eine Skibrille weil ich gegen Schnee bin gegen snow bin also Kokain eine der Hauptsachen beim Breakdancen waren die Schuhe. Ich erinnere mich al ich anfing zu Breakdancen waren die uptown pro cats total angesagt, da sie eine dicke Gummisohle hatten. Viele Breakdancer tanzten auf dem Asphalt.

Der Trick war, dass man so geschmeidig tanzte, dass die Farbe nicht abging und nur das führte dazu, dass die Leute eine bessere Schritttechnik hatten. Wir waren wie Wissenschaftler oder Chemiker mit unseren Schuhen. Wir ließen uns Zeit, es war ein echtes Projekt. Eine echt Schwierige Angelegenheit, denn 35$ waren damals viel Geld.

Dann kam die Sache mit den Schnürsenkeln. Wer hat sie am breitesten geschnürt, (weißt du) die Sneakers fest zuschnüren war ein totales Tabu das taten nur Versager. Die Anderen lachten dann über dich und sagten: der da stranguliert seine Knöchel. Wir haben dann sogar die Figuren der Graffiti Künstler nachgemacht, weil die alles überdimensional dargestellt haben. Daher kommt auch der Begriff „Fat“ das ist ein Slang im Hip-Hop. Viele Graffiti Künstler vergrößerten ihre Sachen immer mehr. So kamen wir von fetteren Schnürsenkeln zu noch fetteren Schnürsenkeln Diese hier (zeigt Schuh) sind über 1 ½ cm breit. Außerdem haben wir 2 oder 3 Paar Socken übereinander gezogen, damit es breiter wirkte. Das ähnelte den Graffiti Figuren. Wir haben also Schlaghosen angezogen, eine Seite hochgekrempelt und trugen darunter mehrere Schichten Socken. Das hatte zur Folge, dass die Farben leuchteten wenn die Jungs tanzten. Es ist vergleichbar mit dem Federschmuck der Indianer der ihren akzentuiert. Ich glaube nicht dass wir überlegten ich zieh mir all die Socken an damit das schrill aussieht. Ich glaube das war ein natürlicher Prozess der aus unserer Natur kommt.

Hip-Hop ist kein neues Konzept, sondern es ist die neueste Form eines künstlerischen Geistes, der schon seit Jahren existiert.

Eine Sache, die das cool sein bestimmt ist es anders zu sein. Wenn man etwas zum ersten Mal sieht, reagieren die meisten Leute so: Hm was macht der denn? Wenn der Typ einen starken Charakter hat denken die Leute: Hm das ist auffällig, ja ich möchte das auch anziehen weil das cool und anders ist. Und dann ist das der Stil und so geht das immer weiter. Die Musiker wurden immer berühmter und bekamen immer mehr Aufmerksamkeit, also wurde das was sie anzogen sehr wichtig. Diese Typen hatten ihre eigenen Vorstellungen. Sie steckten ihre Hosen in die Stiefel, sie trugen handgefertigte Lederjacken und Hosen und entwickelten einen ganz neuen Stil. Sie waren sich ihrer Sache sehr sicher aber es war zu weit weg von den Leuten auf der Straße. Die meisten konnten es sich nicht leisten, aber dann passierte etwas, das die ganze Mode Idee umgeworfen hat. Das war als RUN DMC herauskam. Sie waren alle ganz in Schwarz gekleidet, Lederjacken, Hüte aus dem Film der Pate und Adidas. Wir trugen das was da war so konnte sich die Masse eher mit uns identifizieren als hätte ich mir den ganzen Glitzer angezogen und dadurch unerreichbar wäre. Mit uns konnte man also kommunizieren. Wir haben das gemacht, was auch der Junge aus der Nachbarschaft fühlt, das heißt wenn sie uns sahen, dann sahen sie sich selbst. Wir haben nur das ausgedrückt was in uns war, deshalb war unser Stil der realste von allen. Früher wenn ich aufgestanden bin hab ich die Schnürsenkel nicht eingezogen, weil ich sie sauber halten wollte, oder wenn sie nicht trocken waren, liefen wir ohne Schnürsenkel herum und irgendwann haben wir sie gar nicht mehr reingemacht.

Graffiti ist eine Bezeichnung, die von Europa nach Amerika gebracht wurde. Ich bin kein Graffiti Künstler ich bin zunächst ein U-Bahn Künstler. 1978 fing ich gerade mit dem sprühen an. Ich war noch ein Anfänger also einer der noch keinen eigenen Stil hatte. Für uns war es eine Chance unsere Kunst auf den Zügen darzustellen. Es war wirklich nur für uns, für unsere kleine Welt, unsere Kultur. Als ich anfing Züge zu besprühen hatte ich schreckliche Angst verhaftet zu werden. Bevor ich dann später alleine losging, standen immer 4 Leute dort und 3 Leute hier, die aufpassten. Ich trug sozusagen eine U-Bahnkleidung, die aus einem Kapuzenpullover, Lee Jeans und Adidas Turnschuhen bestand. Nachdem wir ein Bild gesprüht hatten, gingen wir raus und tarnten uns mit den Kapuzenpullis. Wir sahen irgendwie unheimlich aus. Wir mussten uns vor der Polizei und vor anderen Graffiti Künstlern verstecken. Irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem alle einen Kapuzenpullover trugen, einfach um dabei zu sein. Außerdem wurde es nachts oft kalt und so zog man die Kapuze über und war ok. Unsere Turnschuhe hatten eine Gummisohle, damit wir keinen Schlag bekamen wenn wir auf die Stromschienen traten. Ich trage eine Doc Martins Tarnjacke, sie ist Indischer Seide. Bitte nicht berühren, nur anschauen. Es ist eine Tarnjacke wie im Krieg. Viele Drogen Dealer in New York tragen diese Tarnjacken im Winter um nicht so aufzufallen. Sie tragen Waffen und Tarnanzüge.

In den frühen 80gern als auch RUN DMC herauskam erreichte leider auch Crack und Heroin die Straße. Mit dem schnell verdienten Geld kam die zur Schau Stellung von Reichtum. Man kaufte sich ausgefallenen Schmuck und fette Goldketten und die Ketten wurden größer und größer. Die einzigen Leute, die sich diese Ketten leisten konnten waren entweder Drogendealer, Zuhälter oder Rapper und deren Styles beeinflussten sich gegenseitig In den 70gern, wenn du da eine kleine Goldkette hattest, war das eine große Sache In den 80gern war es eine große Sache eine große Goldkette zu haben und wenn meine Goldkette größer war als deine, war ich der Gewinner. Dann gab es Leute wie Slick Rick, der sagte: Goldketten können nicht größer werden. Wer kann mehr als ich tragen? Mit den Ketten kamen auch 3 und 4 Fingerringe raus. Das waren Ringe die über die ganze Hand gingen. Fast 5 oder 6 Jahre war es der Hit viel Schmuck zu tragen. Sozusagen als Statussymbol.

Das war der Look des Gangsters, des Zuhälters, der Prostituierten. Es ist immer das Kriminelle Symbol in der Gesellschaft, dass die Mode diktiert. In unserem Weltbild sind die US-Army und die Regierung die Kriminellen. Jeder der einen umbringen kann ohne dafür bestraft zu werden, jeder der Autorität hat, dessen Kleidung möchte man tragen. Das kriminelle Element ist die Autorität der Straße. Man will wie diese Autorität aussehen. Der Baggy-Style kam erst in den frühen 90gern. Leider ist es so, dass die besten und schlausten aus unserer Gemeinde im Gefängnis landen. Aber diese Leute haben immer noch ihren eigenen Stil.

Es geht nicht um Geld sondern um das was man aus dem macht das man hat. Obwohl man im Gefängnis keinen Gürtel und keine Schnürsenkel hatte wollte man trotzdem cool aussehen. Dadurch rutschten die Hosen automatisch runter. Die Unterhose war zu sehen und das wurde dann zu einem wichtigen Statussymbol.

Interessant an der Umgangssprache von Schwarzen ist, dass der Sinn von Worten umgedreht wird. Zum Beispiel steht schlecht für etwas Gutes. Das Gefängnis ist schlecht aber dadurch dass die meisten Leute, die im Ghetto aufwachsen wissen, dass sie dort landen werden, sagen sie sich: Ok ich sitze dort meine Zeit ab aber wenn ich nach Hause komme, bin ich immer noch ein cooles Arschloch. Je wilder man war, desto tiefer ließ man seine Hosen runter hängen

Was die Künstler heute in ihren Videos tragen ist ein wichtiger Einfluss. Die Leute sehen, was ihr Idol anhat und wollen es nachmachen.

Ich steh auf X-large, die haben mit den Beastie Boys zu tun, mit Rap, mit Skatern. Die gehören in diese Szene. MikeD von den Beastie Boys war einer der ersten Investoren der Firma X-large. Wir verkauften Kleidung, die die Band gerne anzog. Sie kamen vorbei und bekamen die Sachen umsonst daraus wurde dann irgendwann: Das ist der Beastie Boys Laden. Die Beastie Boys kommen von der Ost-Küste. Sie brachten das Ost-Küsten Gefühl zur West-Küste.

X-Large kann so ziemlich alles bedeuten; ein großes Auto zu haben, viel Geld zu haben und die Philosophie ist: Hab eine gute Zeit, jeder Zeit. Ich glaube wir sind sehr von Skateboardern beeinflusst worden. Wir haben eine Menge von ihnen gelernt. Da gibt es 17 Jährige Kids, die mehr über Streetwear wissen als wir. Diese Kids tragen Klamotten, die andere nicht tragen. Jede Marke bedeutet für irgendjemanden irgendetwas. Skate Kleidung ist sehr weit und locker, es gibt einem mehr Bewegungsfreiheit. Es ist eine Mischung aus Form und Funktion. Es ist sehr modern. Es ist atmungsaktiv und man kann sich gut darin drehen. Ist ja auch klar, dass es schwer ist Tricks und Stunts zu machen, wenn man sehr enge Jeans anhat. Außerdem trage ich Hosen mit dicken Polstern, diese schützen einen vor Verletzungen.

Wie auch immer, wir zahlen nichts für unsere Kleidung, wir kriegen sie umsonst wenn wir dafür sorgen, dass wir unsere Marken in unseren Interviews erwähnen.
Die Identifikation mit Namen und Marken ist sehr wichtig. Das Logo verrät, diese Kleidung ist teuer selten oder schwer zu kriegen oder einfach nur, dass man Teil des Teams ist. Man will sich mit etwas identifizieren. Wir versuchten davon wegzukommen aber die Leute wollten ein Teil der Firma sein, sie wollten etwas repräsentieren. Viele von uns trugen ihre Kleidung auch einfach falsch herum nur um anders zu sein.

Noch einmal die wichtigsten Merkmale von Streetwear: Es muss billig und verfügbar sein und man muss der erste sein der es trägt. Lass uns cool sein. Wie du läufst, wie du sprichst, wie du dich gibst, all das macht deinen persönlichen Stil aus.

Kommentarfunktion deaktiviert